Sucht man den Ort Merschwitz, findet man die Ortschaft entlang des bekannten Elberadweges am rechten Elbufer zwischen Riesa und Meißen im Freistaat Sachsen. Unmittelbar am Elberadweg in Merschwitz sah man bis Ende 2008 einen Turmdrehkran aus dem Jahr 1921, infolge von Brandschäden und Umwelteinflüssen als Ruine. Die Konturen des Turmkranes erinnerten an eine verwahrloste Holländermühle.

Vor dem Jahr 1876 befand sich genau an diesem Ort eine Ziegelei und die Merschwitzer Biberschwänze waren bei den damaligen Dachdeckern eine gesuchte Ware. Doch die Lehmlager waren zum größten Teil erschöpft und der Betrieb musste umgestellt werden.

So erbaute 1876 Ernst Otto Schulze an dieser Stelle ein Dampfsägewerk.

Verarbeitet wurde böhmisches Floßholz, welches mittels elektrisch betriebener Winden aus der Elbe auf Schienen laufende Feldbahnhunte gezogen wurde.

Bis ca. 1958 war in die Betriebsabläufe des ehemaligen Sägewerkes der Turmkran integriert.

Dieser stapelte das Floßholz an die vorgesehenen Holzlagerplätze und lagerte es zum Trocknen um, bis die in hohen Stapeln gelagerten Stämme der Verarbeitung zugeführt wurden. Heute ist jene Art Betriebsamkeit auf dem Gelände des alten Sägewerkes endgültig Geschichte.

Beschrieben wird der von Otto Schulzes Nachfolger konstruierte Turmkran auf Merschwitzer Flur wie folgt:

Der Turmkran im früheren Sägewerk Schulze ist heute eine stark verfallene Ruine, welche sich der Zeit, dem Wind und Wetter zum Trotze als nicht zu übersehendes Bauwerk von ungewöhnlicher Form gehalten hat. Der drehbare Dachaufsatz ist zum größten Teil zusammengestürzt und die Reste lassen ahnen, welch imposantes Bauwerk dies einstmals mit Kuppel sowie Ausleger und Hebevorrichtung war.
Der Turmkranbau von 1921 war ein in Bruchstein gemauerter Rundturm mit einer Mauerstärke von rund 80eZentimetern, einem Umfang von etwa 30 Metern und einer geschätzten Höhe von 15 Metern, sowie einer Tragkraft von 1000 Kilogramm. Die drehbare Kuppel, ein hölzerner Aufbau von rund 5 Meter Höhe, lag und rollte auf einer Führungsschiene und wurde durch eine ungefähr 3 Meter hohe Verspannungsspitze abgeschlossen. Durch diese Spitze liefen die Seile, welche einerseits den Ausleger, ein mächtiger Stamm von ungefähr 14 Meter Länge und andererseits das Gegengewicht im Aufbau trugen. Die Spitze des Turmes wurde durch eine Wetterfahne mit einem Segelschiff und der Jahreszahl 1921 gekrönt.

Ausflug in die Geschichte des Dampfsägewerks

Kreuzhölzer lassen sich nur aus recht starken Stämmen schneiden, denn dann müssen aus jedem Stamm vier Stollen werden. Der Kern des Stammes, der in der Mitte liegt, wird dabei in vier Viertelkreise zertrennt. Einen vollen Jahresring sieht man bei Kanthölzern. Die Kreuzhölzer haben den Vorteil, dass sie sich nicht werfen und ganz selten Risse bekommen, sie "arbeiten" nicht mehr, wie der Fachmann sagt, während die Kanthölzer, auch wenn sie schon längst vollständig ausgetrocknet sind, sich noch ziehen oder Sprünge erhalten können. Als bestes Bauholz gilt die "geflößte böhmische Fichte". Dieses Holz hat während seines Aufenthaltes im Wasser, der manchmal ziemlich lange dauert, eine Durchlaugung oder eine gewisse Veredlung erfahren, die es für immer vor dem Wurmfraße schützt. Solche Fichte wird auch beim Schiffsbau zum Bodendielen verwendet, während man zu dem höher gelegenen Schiffsboden gern Eiche oder Kiefer nimmt. Diese Hölzer sind oft unheimlich lang und messen bis zu 25 Meter und mehr.

Sollen Bretter und Latten aus den Stämmen entstehen, so wird vor dem Schneiden noch einmal nach Stückklassen sortiert. Die gewöhnliche und die Parallelkreissäge, die aus zwei oder mehreren seitlich verstellbaren Sägeblättern besteht, treten in Tätigkeit. Auch Hobel-, Nut- und Spundmaschinen sind vorhanden, die dem Tischler und Zimmerer vorarbeiten, so dass für sie nur noch das Zuschneiden und zusammenfügen bleibt.

Als Antriebsmaschine ist eine Dampfmaschine mit großen und kleinen Schwungrad - wovon das große als Transmissionsrad den Antrieb von vier Sägeblättern besorgt - im Einsatz.

Bis 1949 sind noch ca. 30 Arbeiter im Sägewerk Otto Schulze (verbunden mit Schifffahrt und Steinbruchbetrieb) beschäftigt, später nur noch Lohnschnitt. Die gewaltigen Vorräte werden in der näheren und weiteren Umgebung abgesetzt, aber nicht nur in unseren heimatlichen Bezirk, sondern überall längs der Elbe bis nach Hamburg hin. Ja, vor dem Weltkriege gab es gar nicht selten Exportsendungen nach den afrikanischen Kolonien, die durch Hamburger Zwischenhändler in die Ferne geleitet wurden. 1952 fiel das Sägewerk Merschwitz einem Brand zum Opfer.

Seit ca. 1960 ist das Sägewerk Otto Schulze stillgelegt.

Ausflug in die Geschichte der genutzen Dampflokomobile

Dampflokomobile waren einst als "Eiserner Heinrich" bekannt. Hochleistungslokomobile konnten durch die wissenschaftliche Beherrschung der Thermodynamik ab 1895 hergestellt werden.

Bei der Lokomobile oder Portativ-Maschine des Merschwitzer Sägewerkes handelt es sich um eine Nassdampf-Verbundlokomobile mit Einspritzkondensation und Flachschiebesteuerung, gebaut 1898 in der damals berühmten Lokomobilfabrik von Rudolf Ernst Wolf in Magdeburg-Buckau.

Wenig beachtet schlummerten viele Jahre lang im ehemaligen Sägewerk Merschwitz wertvolle Zeugnisse industrieller Entwicklung.

Um die Industrie-Lokomobile vor dem Verfall zu retten, wurde sie 1985 von der Technischen Universität Dresden erworben. Aus einem Schreiben der TU Dresden vom 13.08.1985 geht hervor, dass es sich um die drittälteste Dampflokomobile im deutschsprachigen Raum handelt.

Nach Bergung und Spezialtransport wurde sie als technisches Denkmal an die TU Dresden überführt. Wegen der ungehinderten Durchfahrt in Richtung Dresden musste das tonnenschwere Ungetüm vor Ort demontiert werden. Die fotokopierten Zeitungsausschnitte zeigen die Lokomobile am Ausleger des 75 Mp-Auto-drehkranes (hier wurde Transmissionsrad demontiert) (linkes Bild) und rechts - eine gießereitechnische Meisterleistung: - Das Schwung- und Transmissionsrad von 3,2 Meter Durchmesser während der Demontage).

Sicher aus Unkenntnis wurde es vor der Bergung leider aller buntmetallenen Armaturen und Regeleinrichtungen beraubt.

Der Zustand wird im Protokoll der TU Dresden vom 12.02.1985 wie folgt beschrieben:

  • Dampflokomobile im nicht betriebsfähigen Zustand
  • seit Brand 1952 Objekt unter freiem Himmel
  • Grundsubstanz im restaurationsfähigem Zustand
  • auf Armaturen und unwesentliche Details müsste bei Restauration müsste verzichtet werden
  • Transport: Demontage Schwungräder, Abdampfrohr u.a.

Die Dampflokomobile sollte auf dem für historische Maschinen vorgesehenen Freigelände der TU Dresden aufgestellt werden, dazu ist es aus unbekannten Gründen nie gekommen.

1989 wurde sie ausgesondert. Die Reste der Lokomobile befanden sich 1993 in einem desolaten Zustand, Typenschild usw. waren abmontiert. 1995 sollte sie verschrottet werden. Man versuchte sie dennoch einem musealen Zweck zuzuführen. 1996 ging die Dampflokomobile schließlich per Ausschreibung an das Museum:

Historische Dampfmaschinen und Motoren
H. Lange
15913 Goyatz
Brandenburg am Schwielochsee

http://www.goyatz.de